
Dienstag, 15.12. mit Oze
Mittwoch, 16.12. mit Mange Tes Fraises
Donnerstag, 17.12. mit DJ S’Il Vient
Man muss sie gar nicht erst vorstellen. Aber wir können euch getrost sagen, dass es uns eine immense Freude ist, die legendäre Band The Young Gods zum allerersten Mal bei uns im Nouveau Monde für drei Abende in Folge empfangen zu dürfen. Mit den wunderbaren Support-Acts Oze am Dienstag, Mange Tes Fraises am Mittwoch und DJ S’Il Vient am Donnerstagabend zum vorglühhen und einstimmen! Keine Sonderbehandlungen, keine Gästeliste, keine Einladungen! Hol dir dein Ticket bei Petzi!


Die Gitarren sind gezückt, die Messer gezogen. Zu einer rasanten Rhythmik, die einer Welt gleicht, die aus den Fugen gerät, nehmen The Young Gods ihr Ziel ins Visier und schlagen mit neuer Kraft zu. Schon in der ersten Sekunde von „Appear Disappear“ zerreisst die Klampfe den Raum und fletscht in einem elektrischen Schrei die Zähne. Das Trio ist zu seinen offensivsten Grundlagen zurückgekehrt, zu seiner Kunst des klanglichen Kampfes, die niemals überflüssig ist, wenn überall Krieg herrscht. Selten hat sich ein Album der Young Gods so sehr von seiner Zeit inspirieren lassen. Einer Zeit, geprägt von militärischen Konflikten, allgegenwärtiger Überwachung und intimen Dramen. Seit ihrer Gründung im Jahr 1985 hat die Band musikalische Neuland erschlossen und als Pioniere gewagt, die rohe Dringlichkeit des Rock mit der Kraft der Elektronik zu verbinden. „Appear Disappear“ erfasst den pulsierenden Kern davon. The Young Gods würdigen darauf sowohl ihre eigene Geschichte als auch ihre langjährigen Einflüsse, vom Psychedelic Rock bis zum Post-Punk, von den Klängen des sehr „Doors-artigen“ „Intertidal“ bis zu den industriellen Rhythmen von „Systemized“. „Wir wollten etwas Rohes“, fasst Franz Treichler zusammen. „Nach dem atmosphärischen Rock von ‚Data Mirage Tangram‘ (2019) und dem Instrumentalstück ‚In C‘ von Terry Riley (2022) hatten wir das Bedürfnis und den Wunsch, uns direkter auszudrücken.“
Ein Guerilla-Album also. Eine Platte des Widerstands. Sowohl thematisch als auch in seiner Intensität taucht es mitten ins Getümmel ein, in „das Gehirn des Monsters“, das Che Guevara genau in der Schweiz verortete und das dort nach wie vor ungestört gedeiht. Doch es ist nicht unmöglich, sich ihm zu stellen. „‚Appear Disappear‘ ist eine Reflexion über unser Engagement in den Problemen der Welt und unsere Fähigkeit, Stellung zu beziehen. Wie sollen wir reagieren, die richtige Geste setzen in der Unermesslichkeit der Daten, die wir jede Sekunde verarbeiten?“, fragt sich der Sänger. In den Himmel katapultiert vom Elektro-Puls von Cesare Pizzi (Sampling, Elektronik) und den kraftvollen Schlägen von Bernard Trontin (Schlagzeug), wirft „Mes yeux de tous“ dieselbe schwindelerregende Frage auf. Wie können wir vermeiden, von der „Cloud“, die wir selbst füttern, verschlungen zu werden?
Die Antwort liegt in unseren Händen. Der Schlag ist körperlich, der Tanz tribal. Zu einem eindringlichen Rhythmus stellt sich „Shine that Drone“ vor, wie die Menge mit den Füßen auf den Boden stampft, um die Drohnen in einer Staubwolke zu blenden. „Blackwater“ feiert die neuen Mittel des Widerstands, oder wie man die digitale Überwachung zu seinem eigenen Vorteil nutzen kann – „Blackwater“ war der Codename einer chinesischen Aktivistin, die während der Regenschirm-Revolution in Hongkong die Bewegungen der Polizei in Echtzeit kartografierte. Der Bass wogt und schwingt, wie eine dumpfe Revolte, die sich in den Straßen ausbreitet. Doch „Appear Disappear“ ist auch – vor allem – ein Album der Liebe. Ein gemeinsamer Gesang, entstanden in einer Jam-Session des Trios, das geschlossener ist denn je, und eine Ode von Franz Treichler an seine 2023 verstorbene Ehefrau Heleen. Liebe muss laut verkündet werden, sie stellt alles auf den Kopf. „Blue Me Away“ hält die schönsten Explosionen des Albums bereit, die unverfälschtesten Detonationen. Der Sänger ist sich sicher: „Das Chaos tanzt, wenn sich weibliche und männliche Tänze vereinen.“ Die Musik von Young Gods ist der Soundtrack dazu.
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Als er im Alter von 6 Jahren einen Schallschock in den Orgelpfeifen der Dorfkirche erlitt, beschloss er infolge dieser Erfahrung, sein Leben der Musik zu widmen – und das, ohne jemals selbst Musik zu machen. Nachdem er sein gesamtes Gehalt für CDs ausgegeben hatte, die damals 35 Francs pro Stück kosteten, arbeitete er zudem in einem der schlimmsten fensterlosen Einkaufszentren für einen multinationalen Konzern mit rotem Logo – wieder einmal „aus Liebe zur Musik“! Er war sogar bereit, sieben Jahre lang rund um die Uhr im „Nouveau Monde“ zu leben, um sowohl legendäre, obskure Bands als auch lokale Newcomer zu programmieren!
Nachdem er also Platten gekauft, Platten verkauft und dann mit Freunden ein Label gegründet hatte, um Platten zu veröffentlichen, fehlte ihm nur noch das Wort … um Plattenverkäufer zu werden. Bei seinen Sets werden zwischen alten, zerkratzten CDs und kiloweise Schallplatten im Geheimen mit miesen MP3s schummelt. DJ S’il vient wechselt seinen Namen so oft wie seine Frisuren und legt sowohl im Giger-Museum als auch am Montreux Jazz Festival, in einer Bowlingbahn oder am Belluard-Festival auf – verkleidet als Dieb an der Seite des Freiburger Polizeichefs. Seine Freude: musikalisch in alle Richtungen abzudriften und es zu schaffen, ein Kind, einen Punk und eine ältere Person bei verrückter Musik zusammenzubringen.